Mit zehn Jahren kommt Stefanie zur Feuerwehr. Heute nimmt sie in der Leitstelle Cottbus Notrufe entgegen und engagiert sich in ihrer Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Kolkwitz. Eine Geschichte aus der Strukturwandel-Region über das gemeinsame Anpacken, das Helfen – und darüber, wie aus einem Hobby ein Stück Heimat wird.
Gerade mal zehn Jahre alt ist Stefanie Frey, als sie zum ersten Mal zur Feuerwehr geht. Nicht untypisch für die Lausitz. Die Wehren auf den beschaulichen Dörfern machen häufig Angebote für Kinder – und so groß ist die Auswahl an Freizeitangeboten nicht. Wie sehr dieser erste Besuch bei den Feuerwehrleuten ihr Leben prägen wird, ist keineswegs klar, als Stefanie ihren Freunden in Laasow am Gräbendorfer See ins Feuerwehrhaus folgt.
Sich ausprobieren. Freunde treffen. Gemeinsam etwas unternehmen – bald wird die Feuerwehr zu einem festen Bestandteil ihres Lebens. Der Feuerwehrsport gehört von Anfang an dazu. Stefanie trainiert, fährt zu Wettkämpfen und wächst in eine Welt hinein, in der man sich aufeinander verlassen kann. Dabei reift ein Gedanke, der ihr Leben bestimmen wird: „Es ist wahrscheinlich immer dieses Bedürfnis, anderen zu helfen und etwas Gutes zu tun.“
Helfen. Im Job und nach Feierabend.
Stefanie wird Notfallsanitäterin und arbeitet zunächst im Rettungsdienst. Anfang 2026 wechselt sie in die Leitstelle Cottbus. Auf 24 Stunden Dienst folgen 48 Stunden frei. Wobei „frei“ bei Stefanie ein ziemlich dehnbarer Begriff ist. Sie hat eine Tochter, kümmert sich um Familie und Alltag, treibt Sport – und engagiert sich in der Feuerwehr: Training, Wettkämpfe, Ausbildungen, Einsätze und Veranstaltungen gehören dazu.
Beim Kolkwitzer Oktoberfest steht die Feuerwehr beispielsweise nicht nur für den Ernstfall bereit. Die Kameradinnen und Kameraden betreiben einen Verkaufsstand und eine kleine Löschstation, an der Kinder und Erwachsene selbst ausprobieren können, was Feuerwehr bedeutet. Dazu kommen Osterfeuer, Maibaum und andere Veranstaltungen im Ort. Die Feuerwehr ist in der Lausitz eben mehr als Blaulicht und Einsatz.
Ankommen mit Blaulicht
Vor rund zehn Jahren zieht Stefanie nach Kolkwitz bei Cottbus. Sofort steigt sie in die Feuerwehr ein. Sie weiß:
In der Feuerwehr lernt man die Leute viel schneller kennen, als wenn man sich nur bei einem Fest begegnet.
Gemeinsam trainieren, Einsätze fahren, Veranstaltungen organisieren und nach einer Ausbildung noch zusammensitzen – aus Begegnungen werden Bekanntschaften, und daraus erwächst die Gemeinschaft. Ihr Kolkwitz nennt sie liebevoll die „kleine Großstadt“. Vieles ist da, vieles ist nah – und trotzdem ist etwas von dem geblieben, was sie aus ihrer Kindheit am Gräbendorfer See kennt: kurze Wege, gemeinsame Veranstaltungen und Menschen, die sich einbringen, damit vor Ort etwas passiert.
Gemeinschaft passiert nicht von allein
Dass dieses Miteinander selbstverständlich ist, glaubt Stefanie nicht. Im Gegenteil. Sie erlebt, dass der Umgang miteinander in den vergangenen Jahren angespannter geworden ist. Unterschiedliche Ansichten können Menschen auch innerhalb einer Gemeinschaft auseinandertreiben. Umso wichtiger sind für sie Orte, an denen Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas machen. Die Feuerwehr ist so ein Ort.
Oft sind es gerade die unspektakulären Situationen, die zeigen, worum es geht. Mal ist es eine Ölspur, mal unterstützt die Feuerwehr den Rettungsdienst mit einer Tragehilfe. Jemand braucht Unterstützung – und andere sind da und packen mit an. Große Anerkennung erwartet Stefanie dafür nicht: „Man macht das Ehrenamt ja nicht für die Anerkennung. Es muss nicht jedes Mal jemand kommen und sagen: Mensch, das hast du großartig gemacht.“
Vielleicht ist genau das das Besondere an ihrer Geschichte. Was mit zehn Jahren in Laasow beginnt, verbindet heute vieles in Stefanies Leben: ihren Beruf mit ihrer Freizeit, ihre Kindheit mit ihrem heutigen Zuhause, das Helfen mit dem Zusammenleben und dem Gemeinschaftsgefühl, das in der Lausitz des Strukturwandels so wichtig ist. Stefanie hat die Lausitz nie verlassen. Sie ist geblieben – und ihrem Wunsch, anderen zu helfen, treu geblieben. Aus dem Hobby ist längst etwas viel Größeres geworden: ein Stück Heimat.