Ein ehemaliger Wohnblock liefert das Baumaterial für ein neues Gebäude in Kolkwitz. Was normalerweise zerkleinert und entsorgt würde, bekommt hier eine zweite Verwendung. Am 20. August 2026 wurde Richtfest für den ReUse Hub gefeiert. Dahinter steckt eine Forschungsidee der BTU Cottbus-Senftenberg, die nun erstmals in Deutschland auf diese Weise umgesetzt wird.
Sechs Meter lang, fast sechs Tonnen schwer und eigentlich für den Bauschutt bestimmt: Einige der Betonplatten, die heute in Kolkwitz verbaut sind, gehörten früher zu einem Wohnblock in Großräschen. Statt sie beim Rückbau zu zerkleinern, wurden die Elemente ausgebaut, geprüft und für ihren nächsten Einsatz vorbereitet.
Heute bilden sie Wände und Decken eines neuen Gebäudes auf dem Gelände des Kolkwitzer Sportvereins 1896. Am 20. August 2026 wurde dort Richtfest gefeiert.
Warum alte Betonplatten eine zweite Chance verdienen
Hinter dem ungewöhnlichen Bauprojekt steht die Forschung von Professorin Angelika Mettke und ihrem Team an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).
Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich die Wissenschaftlerin damit, wie sich Bauteile aus abgerissenen Gebäuden erneut verwenden lassen. Im europäischen Forschungsprojekt „ReCreate“ wurde das Verfahren weiterentwickelt. Die Idee dahinter ist einfach: Warum intakte Betonbauteile zerstören und neue produzieren, wenn sich die vorhandenen weiterverwenden lassen?
Genau das wird in Kolkwitz erprobt. Für den zweigeschossigen Anbau an das bestehende Vereinsgebäude werden 60 gebrauchte Betonplatten eingesetzt. Weitere rund 20 Elemente finden in einem neuen Tickethaus und einer Garage Verwendung.
Der Vorteil: Die Bauteile müssen nicht neu hergestellt werden. Dadurch werden Rohstoffe und Energie eingespart. Nach Berechnungen des Forschungsteams lassen sich bei der Wiederverwendung bis zu 97 Prozent der CO₂-Emissionen vermeiden, die bei einer Neuproduktion dieser Bauteile entstehen würden.
Ein Forschungsprojekt, das dem ganzen Ort zugutekommt
Der ReUse Hub soll künftig ein Treffpunkt für die Menschen in Kolkwitz werden. Neben der Nutzung durch den Sportverein sind Räume für Bildungs- und Kulturangebote sowie Veranstaltungen des Ortsbeirats vorgesehen. Damit entsteht auf dem Sportgelände ein Gebäude, das von unterschiedlichen Gruppen im Ort genutzt werden kann.
Der Rohbau wird im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts realisiert. Der Innenausbau und die Ausstattung werden zusätzlich durch Strukturstärkungsmittel für die Lausitz unterstützt.
Noch 2026 soll das Gebäude fertiggestellt werden. Dann wird aus einem ehemaligen Wohnblock nicht nur ein neuer Treffpunkt, sondern auch ein praktisches Beispiel dafür, wie sich vorhandene Baustoffe in Zukunft besser nutzen lassen.

